08.06.10

Infrastruktur für Existenzgründer und Startups

Jeder, der irgendetwas auf die Beine stellen möchte, weiß, dass er dafür bestimmte Rahmenbedingungen schaffen muss. Bezogen auf den Existenzgründer gibt es diverse Dinge, die einfach da sein müssen. So z. B. eine Infrastruktur. Wikipedia sagt, dass “alle langlebigen Grundeinrichtungen personeller, materieller oder institutioneller Art, welche das Funktionieren einer arbeitsteiligen Volkswirtschaft garantieren” unter diese Begrifflichkeit fällt. Aber was bedeutet es genau und warum stelle ich mir überhaupt diese Frage?

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Ich glaube sagen zu dürfen, dass ich mich in der Rostocker Gründer-Szene ein wenig auskenne. Da ich mittlerweile auch ganz gute Kontakte zur Hamburger Startup-Szene halte und das Geschehen dort beobachte, vergleicht man unweigerlich beide Standorte. Eine 1:1 Gegenüberstellung ist wie der Vergleich zwischen Äpfel und Birnen. Bringt also keine weit reichenden Erkenntnisse. Dennoch frage ich mich, warum ganz allgemein in Hamburg die Startup-Szene lebendiger wirkt als hier in Rostock. Ich will damit nicht behaupten, dass hier nichts geht. Nein, ganz im Gegenteil. Es wird hier sehr viel für Existenzgründer geboten. Das ist meines Erachtens nicht der Punkt.

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Kommen wir auf die Infrastruktur zurück. Um eine lebhafte Gründer-Kultur zu initiieren, brauchen wir laut Definition Menschen (Macher), Güter (die der Bedürfnisbefriedigung dienen) und/oder Institutionen (Organisationen, Firmen, Vereine etc.). Ich glaube auch, dass diese drei Einheiten nicht losgelöst von einander agieren sollten. Im Gegenteil. Sie müssen vernetzt und untereinander abgestimmt für bzw. mit dem Gründer handeln.

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Wir haben in Rostock Menschen, Güter und Institutionen, die sich um die Gründer bemühen. Diese arbeiten zum Teil auch eng zusammen, obwohl an dieser Stelle noch weiteres Potential vorhanden ist. Also Menschen und Institutionen sind reichlich vorhanden. Wie steht es um die Güter? Besser gefragt: Was benötigt ein Existenzgründer, ein Startup, um das Bedürfnis der (innovativen) Unternehmensgründung zu befriedigen? Ich glaube, dass ist unser Schwachpunkt gegenüber Hamburg. In Sachen Wissensvermittlung, das Grundrüstzeug eines jeden Gründers, gibt es hier diverse Angebote. Das Wissen alleine reicht aber nicht aus. Denn Theorie ist das eine, Praxis das andere.

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Ein frisch gebackener Existenzgründer macht gerade in der Anfangsphase natürlich die meisten Fehler. Darin sehe ich eine Herausforderung. Die Begleitung des Gründers, aber nicht punktuell, sondern kontinuierlich. Im besten Fall permanent während der Anfangsphase, ohne natürlich als Vormund zu agieren. Dem Gründer fehlen auch weit reichende Kontakte. Kontakte, die über unsere Landesgrenzen hinausgehen und dem Gründer einen echten Mehrwert bieten. Einen Mehrwert, welcher den Gründer in die Lage versetzt, dadurch seinen Unternehmens- und Produkt/Dienstleistungsaufbau mit äußerster Effizienz gestalten zu können.

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Aber zwei weitere Punkte sind immens für die Bedürfnisbefriedigung wichtig. Zum einen sind das Vorzeigeobjekte. Erfolgreiche Unternehmensgründungen, die Lust zum Nachahmen (damit meine ich kein Copycat) machen. Die die angehenden Gründer positiv beeinflussen und zeigen, welche Möglichkeiten eine Existenzgründung bietet. Na klar haben wir hier erfolgreiche Existenzgründungen, keine Frage. Aber auf Anhieb fallen mir keine ein, die unsere Gründer-Kultur nachhaltig beeinflusst haben.

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Zum anderen fehlen nach wie vor weitere Möglichkeiten, den Existenzgründer mit Eigenkapital auszustatten. Auch zu diesem Punkt gibt es Angebote. Nur leider bestehen sie vorrangig aus staatlichen Förderprogrammen. Der Weg dahin ist sehr bürokratisch, lang und innovative Ideen stoßen oft bei den Sachbearbeitern auf Unverständnis. Außerdem gibt es nur über Umwege eine 100prozentige Förderung ohne Eigenanteil. Und leider kann auch nicht jeder Gründer bei einem Wettbewerb punkten. Bei uns fehlen schlicht und ergreifend Personen, die als Business Angel in der Startup-Szene agieren und natürlich Anbieter von Private Equity, also Venture Capital.

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Die beiden letzten Punkte unterscheiden uns von der Hamburger Startup-Szene deutlich. Aus meiner Sicht sind das genau die fehlenden Dinge, die das Bedürfnis eines Gründers/Startups zufrieden stellen können.

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Welche Schritte würde ich unternehmen, wenn ich das “Sagen” hätte? Als erstes würde ich alle staatlich geförderten Anbieter, die Wissensvermittlung, Betreuung und Beratung für Existenzgründer anbieten, an einen Tisch zusammen bringen. Herauskommen muss eine enge Vernetzung mit kurzen Entscheidungswegen. Eine klar strukturierte Arbeitsaufteilung, wer welche Art (Unterteilung z. B. nach Branche, Innovationsgrad, angestrebter Umsatz etc.) von Existenzgründern betreuen darf. Dadurch findet sich der Gründer (unabhängig von institutioneller Zugehörigkeit) viel schneller zurecht, weiß auf Anhieb, wer sein richtiger Ansprechpartner ist. Dieses Netzwerk sollte von einer unabhängigen und neutralen Person koordiniert werden.

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Des Weiteren müssen Anreize (Infrastruktur!) geschaffen werden, um erfahrene Business Angels und VC-Gesellschaften für die Aufnahme ihrer Tätigkeit zu begeistern. Das kann sowohl direkt personell hier vor Ort oder aber auch in Kooperation mit bestehenden Einrichtungen umgesetzt werden.

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Mit entsprechenden Maßnahmen sollte es dann auch möglich sein, deutlich mehr Gründungsinteressierte für eine Existenzgründung zu begeistern und somit unsere Gründer-Kultur glaubhaft lebhafter erscheinen zu lassen.

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Meine Vorschläge sind natürlich nur ein Ansatz von vielen möglichen Maßnahmen. Ich erhebe somit keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Und wer vielleicht den Eindruck bekommen hat, dass bezüglich Gründer-Szene in Rostock tote Hose ist, den muss ich leider auch enttäuschen. Ich möchte nur zum Ausdruck bringen, dass hier sehr viel und Gutes unternommen wird, aber es dennoch sehr viel Potential gibt, welches nicht verschenkt werden sollte.

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Bildquelle: KAM


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