21.04.10

Ist Deutschland ein Gründerland?

Fragt man Politiker und öffentliche Institutionen, so ist Deutschland nicht nur ein Land der Dichter und Denker, sondern ein Land der Gründer. Denn der Mittelstand ist das Rückgrat der Wirtschaft. Soweit , so gut.

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Betrachtet man aber ein paar öffentliche statistische Auswertungen, ergeben sich daraus einige Fragen. Warum z. B. sind wir Deutschen im EU Durchschnitt in Sachen Existenzgründungen und Unternehmensgründungen weit hinten zu finden? Es wird doch soviel für Gründer getan: Fördermittel, Förderprogramme, Bildungsschecks, Ich AG (zum Glück wieder abgeschafft), Mini GmbH und Existenzgründungsberatung hier und dort. Aber dennoch bleiben wir seit Jahren auf dem gleichen Niveau. Mal abgesehen von der letzten Rezession. Was läuft da also falsch?

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Viele Errungenschaften für Arbeitnehmer, Gläubiger, Verbraucher, Datenschutz, Umwelt etc. sind immens wichtig. Keine Frage. Nur zu welchen Lasten? Alles und jeder wird geschützt. Trifft das auch für den Existenzgründer, den Unternehmer zu? Eher weniger.

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Bevor der Gründer mit der eigentlichen Arbeit beginnen darf, ist er praktisch schon pleite. Kaum ein Webauftritt, Vertrag oder Gründung ohne einen Anwalt. Kaum eine Steuererklärung ohne Steuerberater. Dafür Gesetze, Richtlinien, Verordnungen, Formulare, Versicherungen, Auflagen und Gebührenbescheide.

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Und neben diesen ganzen zusätzlichen Kosten entsteht ein wahnsinniges Zeitdefizit. Dieses fehlt dem Unternehmen, um sich vielleicht den wirklich wichtigen Dingen wie Kunden, Produkt, Dienstleistung oder Wettbewerb zu kümmern. Die hoch gelobten Rahmenbedingungen führen halt dazu, dass die meisten in unserem Land lieber die Festanstellung als die Selbstständigkeit suchen.

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Welchen Stellenwert nehmen überhaupt Existenzgründer in unserer Gesellschaft ein? Meine Erfahrungen sind da eher nachteilig. Bei vielen Unternehmensberatungen laufen Existenzgründer/Existenzgründungsberatung unter ferner liefen. Nach dem Motto: Den geringen Anforderungen sind wir locker gewachsen. Oder nehmen wir öffentliche Förderinstitutionen. Da sitzen Personen, die vielleicht gut mit Zahlen umgehen können, aber fachlich NULL Kompetenz aufweisen. Aber diese entscheiden über Fall oder Aufstieg eines jungen Gründers. Und wie sieht es mit Unternehmern aus, die schon mal gescheitert sind und wieder aufstehen (wollen), um es jetzt besser zu machen? In Deutschland sind das Looser.

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Die Frage der Risikokapitalfinanzierung ist in Deutschland ebenfalls nicht befriedigend gelöst. Geplant sind “steuerlich attraktive Rahmenbedingungen für die Anlage von Vermögen in Wagniskapital”. Die Bundesregierung hat dort Besserung in Aussicht gestellt. Und das nicht erst seit gestern.

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Nein, ein Gründerland sieht anders aus. Nicht nur in der EU gibt es gute Beispiele, wie Existenzgründungen realisiert werden und wie das Image eines Gründers oder Startups aussehen könnte. Bemühungen seitens der Dienstleister gibt es und sogar sehr gute. Vieles verpufft dabei leider nur im leeren Raum. Für so manches gibt es in Deutschland einen Minister. Warum nicht mal einen für Existenzgründungen, um wirklich dieses Potential auszuschöpfen und um dem Mittelstand eine echte Lobby zu verschaffen?

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Bildquelle: img.fotocommunity.com


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