18.06.10

Kreditmediator – Eine Zwischenbilanz

Schon Juvénal wusste: “Difficile est saturam non scribere.” (Es ist schwer, keine Satire zu schreiben.) Na denn:

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Jaaaa, er lebt noch!

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Wer? Der Kreditmediator Deutschland! Rund 100 Tage ist es her, dass der Kreditmediator Deutschland seine Arbeit aufnahm. Da hat dann mal jemand nachgefragt, was denn nun bislang passiert ist und mehrere Internetseiten berichteten darüber. Z.B. die Welt, die FAZ und die Financial Times Deutschland. Was ist nun passiert? Nicht viel. Na ja, für 5.000.000 € (in Worten: fünf Millionen) Jahresetat eigentlich nichts. In sage und schreibe: 1 (in Worten: ein) Fall wurde bislang durch das Mediationsverfahren positiv beendet.

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120 Unternehmen haben sich an den Kreditmediator gewandt. “Rund die Hälfte dieser Unternehmen habe man ohne Mediationsverfahren weiterhelfen können.” schreibt die Welt. Wie, das hat der Kreditmediator Hans-Joachim Metternich (200.000 € Jahressalär) wohl nicht gesagt.

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Nun, Herr Metternich ist langjähriger Politprofi: Tätigkeiten bei der Bezirksregierung Koblenz, im rheinland-pfälzischen Ministerium für Wirtschaft und Verkehr und auch die bei der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz sind eher der Politik zuzuordnen. Bei solchen Leuten muss man auch beachten was sie nicht sagen. Wenn es also heißt, man habe der Hälfte dieser Unternehmen ohne Mediationsverfahren weiterhelfen können, kann das auch heißen, dass man ihnen gesagt hat “Lass man lieber sein”. Wenn Herr Metternich in der Welt sagt: “Bei weiteren 46 Anträgen sind wir dabei, mit den am Verfahren beteiligten Partnern eine geeignete Lösung zu finden”, dann muss die Lösung eben nicht – wie wahrscheinlich die meisten denken – darin bestehen, dass die Firma einen Kredit bekommt.

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Wenn ich mir den Ablauf der Mediation ansehe, frage ich mich sowieso, was der Kreditmediator macht – außer Unterlagen in alle Welt zu schicken. Die Arbeit vor Ort machen demnach die Kammern zusammen mit Förderinstituten, Landesministerien und Bürgschaftsbanken. Beim so genannten “Mediationstisch” ist der Kreditmediator gar nicht vertreten!

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Die FAZ schreibt: “Gerade mit Hilfe der Förderprogramme, die laut Metternichs von vielen Banken und Sparkassen nicht zu genüge ausgenutzt werden, könnten viele abgelehnte Kreditanfragen doch noch bewilligt werden.” Na, das ist ja mal ein Armutszeugnis, das Herr Metternich da den Kammern, Förderinstituten, Landesministerien und Bürgschaftsbanken ausstellt. Ob die wirklich einen Kreditmediator brauchen, um an Fördermöglichkeiten zu denken? Ich denke nein. Ein Unternehmer kann kaum alle Fördermöglichkeiten kennen. Aber wenn er nicht daran denkt, jemanden zu fragen der sich damit auskennt – ob ein Kreditmediator da noch helfen kann?

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Insgesamt 3200 mal ist der Antrag auf Mediation bisher herunter geladen worden, schreibt die FAZ. Und nur 120 eingereichte Anträge? Da würde ich mir Gedanken machen, ob die Unternehmen vielleicht mit den 12 Seiten Antrag nicht klar kommen. Vielleicht sind die Firmen aber auch zwischenzeitlich einfach Pleite gegangen – mangels Kredit.

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Aber wir müssen Verständnis haben: “Nun muss das Haus erst einmal bekannt gemacht werden. In einer Art Roadshow durch die Kammern des Landes hat Metternich auf sich aufmerksam gemacht. In der Frankfurter Wirtschaftsgesellschaft versucht er sich so oft wie möglich blicken zu lassen, so bei der Verabschiedung Jürgen Hettingers von der benachbarten Bundesbank-Hauptverwaltung etwa. Letzte Woche hat er sich im Bankenausschuss der IHK Frankfurt vorgestellt.”, schreibt die FAZ. Na dann mal los. Bei 80 deutschen IHK’s wird das wohl 2 Jahre dauern (Außenstellen wie z. B. in Stralsund nicht mitgerechnet). So lange ist das Programm (vorerst) angelegt. Ich empfehle, auch die Deutschen Auslandshandelskammern mit 120 Standorten in 80 Ländern zu besuchen. Besuchen sollte er aber auf jeden Fall seinen Kollegen in Frankreich. Der hat seit Ende 2008, also in nicht mal 2 Jahren, ca. 10.000 Unternehmen zu Kredit verholfen!

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Vielleicht könnte Herr Metternich aber auch mal den Stand der Technik bemühen und z. B. Networking im Internet nutzen. Bei den üblichen Verdächtigen (xing, facebook) habe ich ihn jedenfalls nicht gefunden.

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Außerdem müssen erstmal Geschäftsordnungen und Geschäftsverteilungspläne geschrieben werden, Organigramme müssen gezeichnet werden, Haushaltspläne sind zu erstellen, Formulare sind zu entwerfen, Sachbearbeiter, Referenten, Sekretäre etc. sind einzustellen, Mobiliar ist zu beschaffen …

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Die Welt schreibt: “Metternich nahm seine Einrichtung vor Kritik in Schutz. Das kostenlose Angebot eines neutralen Vermittlers habe bereits dazu geführt, dass vielerorts eine Sensibilisierung bei den Kreditverhandlungen seitens der Kreditinstitute eingetreten ist”, sagte er. Ja ne, is klar! Ich seh sie schon vor mir, die Sensibelchen bei den Banken. Wenn ihr mal wieder beim Kreditinstitut eurer Wahl seid, dann fragt sie mal, wie sensibilisiert sie schon sind.

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Übrigens: Die schon erwähnten 46 Anträge, die in Bearbeitung sind, machen ein Kreditvolumen von etwa 55 Mio. € aus. Mal schnell überschlagen; 5 Mio. € Jahresetat mal 2 Jahre machen 10 Mio. €. 10 Mio. von 55 Mio. € sind ungefähr 18%. He, fast ein Fünftel der Firmen hätte mit diesem Geld sofort Kredit bekommen können!

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Übrigens: Auf der Internetseite des Kreditmediators findet sich (heute) nichts über diese Bilanz. Die (ersten und) letzten News sind vom 25. Februar 2010.

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Übrigens: “Wir sollten Teile von Behörden für ein Jahr schließen und hinterher fragen, ob es irgend jemand gemerkt hat.” Helmuth Frahm

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Co-Moderator: blacky

Bildquelle: Alfred Loidl / Pixelio


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