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Jedem gründungsinteressierten Studenten sollte wohl die Gründungslehre an der Universität Rostock ein Begriff sein. Im gleichen Atemzug muss man auch das Gründungsgeflüster nennen. Und hinter diesen beiden Initiativen steckt vor allem eine Person. Eine Person mit Durchblick und Weitblick, mit einem Gespür für das Wesentliche und mit großem Engagement für die Sache Existenzgründung – Herr Gregor Kempert.
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Nachdem ich die Gründungslehre/das Gründungsgeflüster am 21. Oktober 2009 besucht hatte, stand für mich fest: Ein Interview mit Herrn Kempert ist Pflicht. Somit bin ich heute unterwegs in den Weiten der Universität Rostock/Ulmenstrasse und auf der Suche nach Raum 242. Okay, so groß wie die UNAM ist die Rostocker Uni nun auch wieder nicht, was ja nicht schlimm ist. Den Raum hatte ich jedenfalls gleich gefunden.
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Nach einer freundlichen Begrüßung wechselten wir die Location vom Büro in einen Seminarraum. Dort waren wir einfach ungestörter. Durch das Xing-Profil von Herrn Kempert hatte ich bezüglich des beruflichen Werdegangs schon einige Anhaltspunkte, die ich nun mit dem Interview noch mal aufgreifen möchte.
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RostockStartUps: Herr Kempert, bevor Sie nach Rostock kamen, waren Sie beruflich in Berlin unterwegs. Was hat Sie dazu bewegt, die Hauptstadt gegen das schöne Rostock zu tauschen?
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Gregor Kempert: Ursprünglich stamme ich aus Hamburg. Meine Eltern und ich (damals fünf Jahre alt) sind aus beruflichen Gründen nach Berlin gezogen. Mein Vater baute dort eine Unternehmensberatung mit dem Schwerpunkt “Unternehmensnachfolge” auf. Meine Kindheit und meine Jugendzeit verbrachte ich dort. Ich studierte in Berlin und Potsdam BWL/Sport mit der Vertiefung Psychologie.
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Während des Studiums war es für mich von Anfang an sehr wichtig, parallel dazu Selbstständigkeit in Form von praktischen Erfahrungen zu sammeln. Denn Selbstständigkeit fängt nicht erst mit einer Existenzgründung an. Somit arbeitete ich als Student u. a. auch in den Botschaften der Schweiz und den USA sowie im Unternehmen meines Vaters.
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Seit erfolgreichem Studienabschluss arbeite ich als freier Berater für die UNU Gesellschaft für Unternehmensnachfolge und Unternehmensführung mbH. Diese Arbeit machte und macht mir immer noch sehr viel Spaß. Dennoch war es mein großer Wunsch, an einer Universität zu arbeiten. Durch einen Arbeitswechsel meiner Frau zogen wir nach Rostock. Kurze Zeit später bekam ich die Möglichkeit, hier an der Universität, das vom Prof. Braun initiierte Projekt Gründungslehre in verantwortlicher Position weiter zu führen.
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RostockStartUps: Stichwort “Gründungslehre”: Seit wann können Studenten an diesem Fach teilnehmen und welche Inhalte sollen vermittelt werden?
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Gregor Kempert: Die Gründungslehre gibt es nun seit 2004 und es geht grob gesagt um die Förderung der Selbstständigkeit und der Selbstverantwortung. Diese Keywords sind integraler Bestandteil des Leitbildes der Universität Rostock.
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Es geht hier weniger darum, dass Studenten ihre eigene Firma aufmachen sollen. Das nicht. Sie sollen die Fähigkeiten erlangen, dass sie eine Firma gründen könnten. Das heißt, wir möchten die Studenten sensibilisieren, dass Selbstständigkeit etwas mit eigenem Denken und Handeln, mit Verantwortlichkeit, mit Teams, mit branchenübergreifendem Know-how zu tun hat. Vor allem aber, das Selbstständigkeit eine sehr gute Alternative zur Festeinstellung ist.
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Die Gründungslehre besteht aus zwei Modulen: Modul 1 beinhaltet die Erfolgfaktoren der beruflichen Selbstständigkeit und Modul 2 die Ideenfindung und -entwicklung.
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RostockStartUps: Welche Entwicklung wird es für die Gründungslehre geben?
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Gregor Kempert: Ab dem Sommersemester 2011 wird aus der Gründungslehre ein Lehrstuhl für Wirtschaftspädagogik und Gründungslehre.
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RostockStartUps: Wie schätzen Sie das Potential an gründungswilligen Studenten an der Rostocker Universität ein?
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Gregor Kempert: Das Potential ist enorm. Auch wenn das Interesse an Existenzgründung erst geweckt werden muss.
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RostockStartUps: Ist es möglich, dass Interesse in Zahlen auszudrücken?
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Gregor Kempert: Das ist schon etwas schwieriger. Ca. 15-20 Prozent aller Studenten zählen zu den Gründungswilligen.
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RostockStartUps: In M-V wird sehr viel für eine Gründungsförderung unternommen. So ja auch an der Universität Rostock. Gibt es trotz der vielfältigen Angebote noch Reserven?
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Gregor Kempert: Angebote gibt es zahlreich. Die nachgelagerten Institutionen kümmern sich um die gründungsinteressierten Studenten, wissenschaftlichen Mitarbeiter und Spin Offs.
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Weil wir so viele Möglichkeiten bieten, wäre eine noch bessere Kommunikation untereinander sowie eine klarere Verteilung der Kompetenzen erstrebenswert.
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RostockStartUps: Wechseln wir zum Gründungsgeflüster: Wie entstand die Idee dazu und welchen Zweck verfolgt diese Veranstaltungsreihe?
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Gregor Kempert: Meine Motivation das Gründungsgeflüster ins Leben zu rufen entstand aus folgender Überlegung heraus: Wie kann das Interesse der Studenten an eine Existenzgründung erhöht und das mit praxisnahen Beispielen untermauert werden? Die Lösung bestand aus bekannten und erfolgreichen Gründern, die im Rahmen einer Abendveranstaltung auf dem roten Sofa Platz nahmen. Die Gründer konnten so ihre Erfahrungen als Selbstständige direkt an das Publikum weiter geben.
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RostockStartUps: Ja, ich kann mich sehr gut daran erinnern. Die Veranstaltungen waren im Gebäude der IHK zu Rostock. Jetzt findet das Gründungsgeflüster aber direkt in der Uni statt. Warum?
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Gregor Kempert: Unsere recht groß angelegten Abendveranstaltungen waren sehr erfolgreich. Dennoch haben wir das Konzept bewusst umgestaltet. Durch die neue Struktur sind wir mit der gleichen Idee viel näher und öfter am Studenten. Das heißt, die Veranstaltung findet im Rahmen der Gründungslehre in kürzeren Abständen direkt im Hörsaal zu studentenfreundlichen Zeiten statt.
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Auch die Überlegung zu den eingeladenen Gästen/Gründern hat sich geändert. Unseren Schwerpunkt legen wir mit Erfolg auf jüngere Existenzgründer bzw. StartUps aus unserer Region.
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RostockStartUps: Herr Kempert, Sie beobachten sicherlich auch die Gründerszene außerhalb von M-V. Blühende Gründerszene, innovative Ideen, (Risiko-) Kapital hängen ja irgendwie mit einander zusammen. Was müsste aus Ihrer Sicht unternommen werden, um hier vor Ort eine angemessene VC und/oder BA Szene zu etablieren?
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Gregor Kempert: Das müsste nur einer in die Hand nehmen. Geld ist vorhanden, auch hier in Rostock. Außerdem geht es doch gar nicht um millionenschwere Investments. Oftmals reichen ein paar wenige tausend Euro aus, um aus einer Geschäftsidee einen Prototypen entstehen zu lassen. Gerade für so genannte Internet StartUps, deren Bedeutung stetig zunimmt, ist eine Business Angel und Venture Capital Szene sehr wichtig. Denn in diesem Bereich wird es selten Unterstützung seitens der Banken oder staatlichen Förderinstitutionen geben. Machen wir uns nichts vor. Die wenigsten Existenzgründungen schaffen es ohne bedeutende Investitionen aus sich alleine heraus zu wachsen.
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RostockStartUps: Ab 2011 ändert sich voraussichtlich das Konzept der Gründungslehre. Bedeutet es auch für Sie eine Änderung? Könnten Sie es sich in diesem Zusammenhang vorstellen, ein eigenes Unternehmen zu gründen bzw. sich selbstständig zu machen?
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Gregor Kempert: Vorstellbar ist so ziemlich alles. Jedenfalls bleibe ich flexibel und offen für alles was auf mich zukommt. Eine Selbstständigkeit ist dabei genauso vorstellbar. Mit großer Wahrscheinlichkeit würde ich dann bei der Thematik “Beratung” mit den Schwerpunkten Nachfolgeregelung für die Branchen Personal, Bildung und Gesundheit bleiben. In diesen Bereichen war ich bereits tätig.
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RostockStartUps: Ich bedanke mich recht herzlich für das Interview und freue mich schon auf das kommende Gründungsgeflüster mit dem Unternehmerduo Kaufmann & Kirner am 02. Dezember 2009. Danke.
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Gregor Kempert: Ich bedanke mich auch und wünsche Ihnen weiterhin soviel positive Resonanz für ihre Bemühungen um die Rostocker Gründerszene.
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Bildquelle: Universität Rostock