16.12.09

IT Future Fond – Das Interview mit Armin Köhler

Wettbewerbe für Existenzgründer gibt es einige hier in M-V. Mal für die eine mal für die andere Zielgruppe. Für den Bereich Informationstechnologie gibt es (zum Glück) wenigstens einen: den IT Future Fond.

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Gerade im IT Bereich ist es für StartUps schwierig, finanzielle Mittel zu akquirieren, da nicht jeder der Finanzierer über den technischen Background verfügt, um Konzepte aus diesem Bereich objektiv einschätzen zu können.

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Deshalb war es von einigen führenden IT-Profis aus unserem Land eine logische Schlussfolgerung, diesen Fond ins Leben zu rufen. Welche Vorzüge und Rahmenbedingungen dieser Fond mit sich bringt, werde ich gleich in Erfahrung bringen.

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Der Verantwortliche hinter diesem Projekt ist Herr Armin Köhler. Er hat sich gern bereit erklärt, in einem Interview Frage und Antwort zu stehen. Dazu begab ich mich auf den Weg ins ICR – Informatik Center Roggentin. Warum ins ICR? Weil Herr Köhler auch dort die Geschäftsführung innehat. Immer wenn ich hier bin, überrascht mich diese Ruhe. Jemand der nicht weiß, dass hier jeder Quadratmeter vermietet ist, würde denken, dass die Wirtschaftskrise hier voll zugeschlagen hat. Aber der Reihe nach.

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RostockStartUps: Guten Tag Herr Köhler, danke dass Sie sich für das Interview Zeit nehmen konnten. Hier im ICR ist es immer sehr ruhig. Woran liegt das?

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Armin Köhler: Hallo Herr Mahlendorf, erst einmal danke, dass sie über den IT Future Fond auf RostockStartUps berichten möchten. Ruhig ist es, aber das liegt daran, dass hinter verschlossener Tür gearbeitet wird. Zurzeit sind wir voll ausgelastet und könnten gut und gerne weitere 400 qm Bürofläche vermieten.

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RostockStartUps: Also keine Krisenstimmung?

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Armin Köhler: Nein, hier ist (noch) alles in Ordnung.

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RostockStartUps: Sie waren lange im Vorstand der SIV.AG. Was haben Sie davor bzw. danach gemacht?

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Armin Köhler: Ich habe in Rostock Kybernetik studiert und bin anschließend gleich in die IT-Branche gewechselt. Dort durchlief ich mehrere Stationen bis ich 1995 zur SIV.AG kam. Von dort aus wechselte ich zum Informatik Center Roggentin und arbeite auch in verantwortlicher Position für die IT-Initiative Mecklenburg-Vorpommern.

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RostockStartUps: ICR, IT Future Fond und IT-Initiative M-V. Das klingt nach sehr viel Arbeit und Verantwortung. Vielleicht ein paar Worte zum Informatik Center Roggentin?

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Armin Köhler: Das ICR wurde 2005 als Innovations- und Gründerzentrum eröffnet. Wie der Name es schon verrät, handelt es sich um ein Technologiezentrum mit Schwerpunkt Informatik. Wir verfügen über ca. 3200 m² Bürofläche. Hallen, Labore oder Werkstätten sind für die Unternehmen der IT-Branche nicht notwendig, deshalb die ruhige Arbeitsatmosphäre.

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Da wir nur zu gut wissen, wie es ist, mit einem neuen Unternehmen zu starten, bieten wir als kleinste Büroeinheit ca. 15 qm an. Die Standortbedingungen sind hervorragend. Wir haben keine Parkplatzprobleme, variable und klimatisierte Konferenzräume, Präsentationsmöglichkeiten, Beratungs- und Schulungsräume mit Audio- und Videotechnik, Breitbandanbindung, Kantinenbetrieb mit Catering-Service, Teeküchen und beste Einkaufsmöglichkeiten nur drei Gehminuten entfernt. Wir verfügen über eine Nahverkehrsanbindung, die Autobahn ist nur zwei Ampeln weit entfernt und bis in die Rostocker Innenstadt benötigt man rund sieben Autominuten.

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Innerhalb unseres Services unterstützen wir Existenzgründungen und Unternehmensentwicklung, bieten darüber hinaus günstige Mietkonditionen und eine praxisorientierte Infrastruktur sowie Kooperationsanbahnung und Networking.

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RostockStartUps: Jetzt wundert es mich nicht mehr, warum es hier keine freien Kapazitäten mehr gibt. Bevor wir zum eigentlichen Thema – dem IT Future Fond – kommen, vielleicht doch noch ganz kurz zur IT-Initiative Mecklenburg-Vorpommern.

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Armin Köhler: Der Verein, der mittlerweile über 50 Mitglieder aus Wirtschaft, Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Kammern und Institutionen hat, wurde aus der Notwendigkeit heraus gegründet, einen regionalen Branchenverband als Interessenvertretung zu etablieren. So wie M-V ein Tourismusstandort ist, ist es nachweislich auch ein IT-Standort. – Die Schwerpunkte des Vereins sind Lobbyarbeit im politischen Raum, Unterstützung von Wissenstransfer, Kooperationsanbahnung und das Standortmarketing.

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RostockStartUps: Jung, innovativ und engagiert? Damit wirbt der IT-Future Fond. Wie jung, innovativ und engagiert darf man sein?

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Armin Köhler: Von den beiden letzteren bitte sehr viel. Der IT Future Fond richtet sich an innovative Unternehmen aus der IT-Branche, die sich mit anderen Unternehmen dem Wettbewerb stellen wollen, um Preisgelder zu gewinnen. Die Preisgelder werden im Rahmen der Förderung von Forschung, Entwicklung und Innovation unseres Landes jeweils zur Hälfte als nicht rückzahlbarer Zuschuss und als rückzahlbares Darlehen gewährt.

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RostockStartUps: In welcher Größenordnung gibt es die Preisgelder?

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Armin Köhler: Pro Wettbewerbs- bzw. Ausschreibungsrunde stehen 375 TEUR für die Gewinner zur Verfügung. Pro Jahr starten wir zwei Runden. Eine im Frühjahr und eine im Herbst. Das gesamte Projekt ist erst einmal bis 2010 genehmigt.

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RostockStartUps: Das lohnt sich schon richtig. Aber wie hoch ist die Messlatte gesteckt, um überhaupt am Wettbewerb teilnehmen zu dürfen?

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Armin Köhler: Dass das Unternehmen seinen Sitz in M-V hat, sollte verständlich sein. Es darf nicht älter als sechs Jahre sein, nicht mehr als 50 Mitarbeiter beschäftigen und sollte keinen Jahresumsatz oder eine Jahresbilanzsumme von mehr als 10 Mio. EUR aufweisen.

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RostockStartUps: Das dürfte für ein junges Unternehmen (leider) kein Problem sein. Was muss ich machen, um dabei sein zu dürfen und was fließt eigentlich in die Bewertung mit ein?

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Armin Köhler: Für die Online Einreichung benötigt das Unternehmen eine Projektskizze und einen Businessplan. Gutachter und Jury bewerten die gängigen Kriterien eines Businessplans wie: der Wertschöpfungsanteil, der Innovationsgrad, die Umsetzbarkeit, Bewertung des kaufmännischen und technischen Risikos, die Darstellung der Gesamtfinanzierung und natürlich die unternehmerische Kompetenz der Gründer.

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RostockStartUps: Gutachter? Jury? Wie genau funktioniert der Wettbewerb?

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Armin Köhler: Zuerst einmal sollte ich dazu sagen, dass alles anonym bleibt. Das heißt, die Bewerber kennen die Gutachter y nicht und umgekehrt. Es gibt insgesamt ca. 40 Gutachter – unterteilt nach Themenschwerpunkten. Für eine Projektbewertung setzen wir drei Gutachter ein, um so die Objektivität zu gewährleisten. Aus den drei Gutachternoten wird eine Durchschnittsnote gebildet und die besten Antragssteller werden eingeladen, ihre Idee vor der Jury zu präsentieren. Die Jury besteht im Finale aus fünf bis sieben Personen.

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RostockStartUps: Dass das alles funktioniert, haben die bisherigen Gewinner aus der ersten Runde und der zweiten Runde gezeigt. Leider kann der IT Future Fond den Finanzierungsbedarf aller Gründer in M-V nicht abdecken. Das ist natürlich verständlich. Aber warum haben wir in M-V ein nicht so gut funktionierendes Business Angel Netzwerk und warum gibt es hier keine privatwirtschaftlich geführten Risikokapitalgeber?

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Armin Köhler: In Ballungszentren wie Hamburg oder München ist einfach die Struktur vorhanden. Industrie und Wirtschaft sind über Jahrzehnte gewachsen. Das können wir hier vor Ort nicht bieten.

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RostockStartUps: Wie ist Ihre allgemeine Einschätzung zu Innovationen in M-V?

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Armin Köhler: Der Grad der Innovation ist hier sehr hoch. Mit unseren Hochschulen, Forschungseinrichtungen und High Tech Firmen können wir uns dem Wettbewerb stellen. Nur sind unsere Innovationen häufig bodenständiger als manche nur von einem Hype getriebene Idee.

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RostockStartUps: Sie sprachen gerade den Hype an. Wer ein bisschen aufmerksam durchs Netz surft, stößt immer wieder auf z. B. Begriffe wie Social Media Marketing. Was halten Sie von SMM?

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Armin Köhler: Im Moment rücken die sozialen Aspekte bei so ziemlich allen Bereichen im Netz in den Vordergrund. Ich gehe davon aus, dass es – wie alle anderen Dinge vorher auch – nur eine Phase sein wird. Unabhängig ob ich diese Art bevorzuge oder nicht. Jedenfalls wird die gesamte Gesellschaft zum Umdenken angeregt. Aber bei aller Neigung zu den sozialen Aspekten, geht es im Endeffekt auch hier um die Erhöhung von Verkaufschancen und Rendite.

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RostockStartUps: Zum Abschluss eine eher hypothetische Frage: Was müsste hier getan werden um z. B. ein „Google Startup” zu erkennen, zu unterstützen, zu fördern und zu halten? Welche Infrastruktur müsste vorhanden sein?

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Armin Köhler: Die Frage hat es in sich. Würde man so ein Startup erkennen? Ich weiß es nicht. Vorausgesetzt man würde es erkannt haben, glaube ich, dass ich die anderen Bestandteile der Frage mit einem „ja” beantworten kann. Denn mit unseren Netzwerken – ICR, ITFF und der IT-Initiative – bieten wir Infrastruktur. Von DIESEN Netzwerken haben wir in M-V einige. Auch für andere Technologiebereiche.

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RostockStartUps: Ich bedanke mich für das ausführliche Interview und hoffe, dass der IT Future Fond auch nach 2010 weiter zur Verfügung stehen wird.

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Armin Köhler: Herr Mahlendorf, ich bedanke mich ebenfalls und wünsche Ihnen weiterhin viele Leser für RostockStartUps.


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